Als die Nazis alles beschlagnahmen, retten Weingläser vor dem Nichts

Als die Nazis alles beschlagnahmen, retten Weingläser vor dem Nichts

Mit langen Briefen halten Elfriede und ihr Mann Joachim während seiner Kriegsverwendung Kontakt - bis in den Juli 1944 hinein. Sie mit den fünf Kindern Gerhard (8), Günter (7), Rainer (6), Hartmut (3) und Renate (1) in Buchwald, er als Abwesenheitsstellvertreter Stauffenbergs in Berlin.

Als Joachim wegen der Beteiligung am Umsturzversuch gegen Hitler verhaftet, verurteilt und hingerichtet wird, bricht für Elfriede eine Welt zusammen. Zwei Tage verbringt sie in Haft. Nachdem die SS Konten, Versicherungen und große Teile des Hausrats beschlagnahmt hat, sieht sie sich mit der absurden Seite des bürokratischen Apparats konfrontiert: Ein besonders gründlicher Beamter trennt akribisch das eheliche Vermögen und gibt Elfriede deren persönliches Eigentum zurück. Die Rente, die der SS-Hilfsfonds im Dezember 1944 “gnadenweise” anbietet, kommt nie an. So sind es unter anderem alte Weingläser und Tischdecken, die Elfriede vor dem Nichts bewahren. Sie verkauft das Inventar ihres früheren Lebens und macht sich auf Richtung Westen.

Der Preis ist hoch: Auf der Flucht stirbt der älteste Sohn bei einem Tieffliegerangriff. Die traumatisierte Familie zieht zu Elfriedes Vater in dessen Wohnung in Kassel. In den folgenden Jahren trägt Elfriede Verantwortung für das Leben von sechs Personen aus drei Generationen. Jahrelang bemüht sie sich mit Unterstützung des Hilfswerks 20. Juli 1944 um Wiederherstellung der Renten bzw. Pension.

Die Erinnerung ist ihr zeit ihres Lebens ebenso wichtig wie der Austausch mit anderen Witwen. Jedes Jahr nimmt sie die Fahrt nach Berlin auf sich, um der Männern und Frauen des 20. Juli 1944 zu gedenken.