Der "Aufstand des Gewissens"

Joachim Spiering

Der „Aufstand des Gewissens“

Begrüßung durch den kommandierenden General des vierten Korps Generalleutnant Joachim Spiering am 18. Juli 1997 in der Henning-von-Tresckow-Kaserne, Potsdam

Sehr geehrte Mitglieder der Familie von Tresckow,

meine sehr verehrten Damen und Herren!

Zur traditionellen Gedenkveranstaltung des vierten Korps, hier in der Henning-von-Tresckow-Kaserne, aus Anlass des 53. Jahrestages des „20. Juli 1944“, begrüße ich Sie alle ganz herzlich. Besonders begrüße ich:

den Minister der Justiz und für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg, Herrn Dr. Bräutigam, den Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Herrn Dr. Gramlich, und den Bürgermeister der Gemeinde Geltow, Herrn Geßwein,

die Präsidentin und den Stellvertretenden Präsidenten der Stadtverordnetenversammlung Potsdam, Frau Müller und Herrn Dr. Przybilski, die Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Landtage, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Herrn Dr. Nachama, sowie die Vertreter der Evangelischen und Katholischen Kirche in Brandenburg und Berlin, die Botschafter bzw. Gesandten oder Vertreter der ausländischen Missionen Israels, Kanadas, Polens, Russlands, der slowakischen Republik, der Türkei, der Ukraine und Ungarn, den Präsidenten des Bundesverwaltungsgerichts, Herrn Dr. Franßen, sowie die Damen und Herren Präsidenten und Repräsentanten aus den verschiedenen Bereichen der Wirtschaft, der Kultur, den Medien und des Sports sowie die Vertreter der Kirchen.

An der Spitze der Familienmitglieder begrüße ich besonders herzlich Herrn Wilfried

von Tresckow.

Seit 1992, als diese Kaserne den Namen Henning von Tresckows erhielt, erinnern wir im Juli jeden Jahres im Rahmen einer Gedenkveranstaltung an die Geschehnisse des 20. Juli 1944, an den „Aufstand des Gewissens“ des militärischen Widerstands.

Wir ehren jene Frauen und Männer, die vor 53 Jahren den Versuch unternahmen, in unserem Vaterland die Herrschaft des Verbrechens zu beseitigen. Sie waren bereit, für Menschenwürde und Freiheit, für Gerechtigkeit und Wahrheit ihr Leben zu opfern.

Besonders gilt unser ehrendes Gedenken Generalmajor Henning von Tresckow und seiner Ehefrau Erika, an deren Gedenkstein vor diesem Stabsgebäude wir nachher Kränze niederlegen werden.

Die Reihe unserer Festvorträge wurde 1993 von Dr. Klausa von der Senatskulturverwaltung Berlin zum Thema „Der deutsche Widerstand gegen Hitler – problemfreie Tradition oder geschichtspolitischer Zankapfel?“ eröffnet.

1994 sprach Prof. Dr. Steinbach von der Freien Universität Berlin über „Soldatischen Widerstand – seine historische Bedeutung und gegenwärtige Bewertung“.

Es folgte 1995 der Vortrag zu „Überlegungen und Gedanken zum militärischen Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime“ durch Kapitän zur See Dr. Rahn, den Amtschef des Potsdamer Militärgeschichtlichen Forschungsamtes der Bundeswehr.

Im vergangenen Jahr sprach Prof. Dr. Görtemaker von der Universität Potsdam zum Thema „Vermächtnis und Verpflichtung; Potsdam und der 20. Juli“.

Heute wird Prof. Dr. Julius Schoeps von der Universität Potsdam zu uns sprechen, den ich hier besonders herzlich begrüße und bei dem ich mich bedanke, dass er sich uns zur Verfügung gestellt hat. Prof. Dr. Schoeps gibt unserer Themenreihe durch die Auswahl seines Themas eine neue, erweiterte Dimension.

Er wird nicht zum 20. Juli und dem Widerstand sprechen, den wir mit diesem Datum assoziieren. Er hat sich ein Thema vorgenommen, das in Deutschland zu behandeln längst überfällig ist: Er wird zur Frage sprechen: „Gab es einen jüdischen Widerstand? Abwehrstrategien gegen Hitler und den NS-Terror.“

Prof. Dr. Schoeps wurde 1942 im schwedischen Exil geboren und kam mit seiner Familie 1948 zurück ins Nachkriegsdeutschland. Er studierte Geschichte, Geistesgeschichte, Politik- und Theaterwissenschaft in Erlangen und Berlin und arbeitete nach seiner Promotion 1969 zunächst als Verlagslektor bei C. Bertelsmann. Von 1974 – 1991 war er Professor für politische Wissenschaft an der Universität Duisburg, seit 1991 ist er ordentlicher Professor für neuere Geschichte und Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch – jüdische Studien an der Universität Potsdam und seit 1993 nebenamtlich Direktor des Jüdischen Museums der Stadt Wien.

Prof. Dr. Schoeps war und ist Gastprofessor in New York, Oxford, Seattle, Tel Aviv und Budapest. Er ist seit 1984 Vorsitzender der Gesellschaft für Geistesgeschichte und Mitglied des PEN-Zentrums West und Ost.

Der Schwerpunkt seiner zahlreichen Veröffentlichungen liegt in der deutsch-jüdischen Geschichte.

Herr Prof. Dr. Schoeps – ich danke Ihnen noch einmal, dass Sie heute zu uns sprechen werden.







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