„Sie wehrten sich.“

Johannes Tuchel

„Sie wehrten sich.“

Begrüßung durch Prof. Dr. Johannes Tuchel anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand am 1. Juli 2014 im Hotel Maritim, Berlin

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, so viele Interessierte zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand begrüßen zu können. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich Sie nicht alle einzeln begrüßen kann und mich daher auf einige von Ihnen beschränke.

Es ist eine große Ehre für die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, dass Sie, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, heute gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin die neue Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand eröffnen. Dies steht in der langen Tradition der gemeinsamen Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus durch den Bund und das Land Berlin.

Ich freue mich sehr, dass einige derer, die sich damals der nationalsozialistischen Diktatur widersetzt haben, heute bei uns sein können. Lassen Sie mich stellvertretend Inge Deutschkron, Eugen Herman-Friede und besonders herzlich aus Polen den Auschwitz-Überlebenden und Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz Komitees Marian Turski begrüßen. Ich danke Ihnen, dass Sie heute hier sind.

Als ältesten Gast begrüße ich ganz herzlich die 1910 geborene Schriftstellerin Elfriede Brüning.

Viele Familienangehörige des Widerstands gegen den Nationalsozialismus sind heute unter uns. Stellvertretend begrüße ich herzlich Axel Smend, Rüdiger von Voss, Wilhelm Graf von Schwerin, Hans Coppi, Karin Reetz und Bärbel Schindler-Saefkow sowie Sie, liebe Frau von dem Bottlenberg-Landsberg.

Die neue Dauerausstellung hat ein klares Ziel: Sie möchte jene Menschen zeigen, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet haben. Sie will zeigen, was sie motivierte, was sie taten und was sie auf sich nahmen. Wir machen deutlich, dass es in Deutschland eben nicht nur Nationalsozialisten oder Angepasste gab, sondern es dass in allen Bereichen der Gesellschaft Handlungsspielräume gab. Damit wird erkennbar, dass es auch unter den Bedingungen der Diktatur Alternativen zur Anpassung gab.

Die Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer nahmen die Verletzung der Menschenrechte und die Diktatur in Deutschland nicht hin. Sie wehrten sich.

Die neue Ausstellung soll so zur Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten politischen Handelns und individueller Verantwortung in unterschiedlichen politischen Systemen anregen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass dies gelingen wird.

Wir haben die alte Ausstellung am 21. Juli 2013 geschlossen und stellen die neue Ausstellung ab morgen der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. Dies war nur möglich durch die Hilfe und Mitarbeit vieler.

Mein erster Dank gilt den Geldgebern, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der LOTTO-Stiftung Berlin. Ich darf den Dank stellvertretend Ihnen, liebe Frau Grütters, und Ihnen, Herr Regierender Bürgermeister als Vorsitzendem des Stiftungsrates der LOTTO-Stiftung Berlin abstatten.

Die Gestalter für die neue Dauerausstellung wurden 2012 im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs gefunden, die Berliner Architektin Ursula Wilms und die Ulmer Gestalter Georg Engels und Gerhard Braun. Dies war ein Glücksfall, denn es gelang Ursula Wilms und Georg Engels, die thematischen Grundvorstellungen, die Peter Steinbach, Ute Stiepani und ich entwickelt hatten, in eine sehr angemessene und immer überzeugende Gestaltung umzusetzen. Davon können Sie sich nachher selbst überzeugen.

Doch bevor das Gestaltungskonzept realisiert werden konnte, war erst einmal die Herrichtung der Ausstellungsflächen notwendig. Erik Böttcher und Manuela Walther meisterten dies auf eine sehr beeindruckende Art und Weise.

Wir haben viel Unterstützung für dieses Projekt bekommen: Von Archiven und Privatpersonen, die uns Material zur Verfügung stellten, von präzise arbeitenden Bau- und Ausstellungsbaufirmen, von staatlicher und von privater Seite. Lassen sich mich dafür meinen herzlichen Dank sagen.

Ohne die umfassende und stets präsente Mitarbeit der Kolleginnen und Kollegen der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand jedoch wäre diese neue Dauerausstellung nicht zu realisieren gewesen. Ich weiß, was wir Ihnen allen in den vergangenen Monaten zugemutet haben, und ich bedanke mich aufrichtig dafür.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.







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